|
Opération Sourire Ärzte der Welt e.V. ist der seit 1999 bestehende, gemeinnützige deutsche Zweig von Médecins du Monde, einer der größten internationalen humanitären Hilfsorganisationen der Welt. Ärzte der Welt unterstützt hilfsbedürftige Bevölkerungsgruppen in Krisensituationen, unabhängig von Rasse, sozialem Status, Glaube oder politischer Überzeugung der Betroffenen. Die Organisation führt aktuell über 170 internationale Projekte in mehr als 50 Ländern durch. Das vorrangige Ziel von Ärzte der Welt besteht darin, eine ärztliche Versorgung sicherzustellen: im Krieg, nach Naturkatastrophen, in Hungersnöten, während Epidemien oder Endemien (Sumpffieber, Aids, Tuberkulose), nach bewaffneten Konflikten, bei Krankheit, Armut und Ausgrenzung. Wir helfen neben Flüchtlingen und Vertriebenen auch weiteren gefährdeten Minderheiten wie Straßenkindern, HIV/Aids-Erkrankten, Drogenabhängigen und allen anderen Personen, die keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Darüber hinaus vertritt die Organisation auch die Ansicht, dass es mit der medizinischen Versorgung allein nicht getan ist. Daher gehört auch die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen und der aktive Dialog mit der Politik zu den wichtigen Aufgaben von Ärzte der Welt. Die Hilfsorganisation kämpft gegen jede Form von Ungerechtigkeit, von wo sie auch kommt. Um dies glaubhaft tun zu können, pocht die Organisation auf strikte politische, konfessionelle und finanzielle Unabhängigkeit ihrer Arbeit.
1989 befanden sich einige Chirurgen von Ärzte der Welt in Kambodscha im Einsatz. Dort fiel ihnen auf, wie viele Kinder entstellt waren; sie sahen Patienten mit Hasenscharten, Verbrennungen, Gesichtstumoren, von den Greueln des Kriegs und der Armut fürs Leben gezeichnet. Niemand kümmerte sich um die Kleinen, denn erstens fehlt es vor Ort an medizinischem Fachwissen, und zweitens verstoßen viele Familien ihre derart entstellten Kinder. Die Kinder leiden also gleichzeitig psychisch ¿ unter der Ausgrenzung aus der Gemeinschaft ¿ und körperlich. Wegen verkümmerter oder deformierter Gliedmaßen können Sie teilweise nicht selbständig essen oder sich bei Gliedmaßenschäden fortbewegen. Ihre Behinderung ist also ebenso sehr körperlich als auch sozial. Dabei könnte man schon mit geringem medizinischen Aufwand enorme Effekte erzielen: Oft würde ein kurzer chirurgischer Eingriff genügen, um die Verunstaltung weitgehend zu beseitigen und den Kindern damit nicht nur ihr Gesicht wieder zu geben, sondern sie auch wieder in die Gesellschaft zurück zu führen. Die Chirurgen von Ärzte der Welt erkannten, dass es sowohl dringenden Handlungsbedarf gab, als auch die Möglichkeit, mit wenigen Mitteln viel auszurichten. Angesichts dieser Umstände startete Dr. François Foussadier , eines der Gründungsmitglieder von Médecins du Monde, gemeinsam mit einigen weiteren Chirurgen die erste Opération Sourire im Krankenhaus von Battambang (Kambodscha). Sofort stellten sich die ersten Erfolge ein ¿ was sich natürlic
h herumsprach. Innerhalb kürzester Zeit ging eine Vielzahl von Anfragen weiterer Patienten ein, die ebenfalls von solchen Schädigungen bzw. Verletzungen gezeichnet waren. Daraufhin wurde die Aktion auf mehrere Krankenhäuser ausgedehnt, zunächst in Kambodscha, dann auf weitere Länder Asiens und Afrikas. Die plastisch-rekonstruktive Chirurgie: Ein Mittel gegen soziale Isolation Viele Länder verfügen nicht über die menschlichen und finanziellen Ressourcen, um sich um Menschen zu kümmern, die vom Krieg, Krankheiten oder Mangelernährung entstellt wurden. Dabei erzielt die plastisch-rekonstruktive Chirurgie mit geringem Aufwand enorme Effekte; die Behandlungsmethoden sind bekannt und erprobt und benötigen keine aufwändige Krankenhaustechnik. Die Opération Sourire gibt betroffenen und Menschen die Möglichkeit, wieder am normalen Sozialleben teilzuhaben, von dem sie zuvor durch ihre physische und ästhetische Behinderung ausgegrenzt waren. Dies erreicht die Opération Sourire durch gezielten Einsatz von plastischer Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie plastischer Chirurgie. Was ist plastisch-rekonstruktive Chirurgie? Die plastisch-rekonstruktive Chirurgie ist Teil der plastischen Chirurgie und beschäftigt sich mit der Beseitigung von Missbildungen, Lippen- und Gaumenspalten, Folgeerscheinungen von Traumata und Verbrennungen der Haut. Sie deckt daher ein riesiges Gebiet ab: Es werden Hände operiert, direkt unter der Haut liegende Tumore, Verbrennungen, schwere Traumata, Amputationswunden sowie Gesichts- und Schädeldeformationen. Nur sehr selten benötigt man für Eingriffe dieser Art spezielle Apparate oder Instrumente, weshalb die plastische Chirurgie auch in Entwicklungsländern problemlos eingesetzt werden kann. Trotzdem gibt es in der Mehrzahl der Länder auch heute noch keine oder kaum plastische Chirurgie. (So hat etwa die halbe Weltbevölkerung keinen Zugang zu Hautverpflanzungen, einer sehr wichtigen Behandlungsmethode für die Folgeerscheinungen von Verbrennungen.) Warum engagiert sich Ärzte der Welt auf diesem Gebiet? Es erscheint uns wichtig, auch Menschen in Not zu helfen, die von der Weltöffentlichkeit übersehen werden. Die Aktion soll in den betroffenen Ländern Hoffnung vermitteln und zeigen, dass auch über die medizinische Grundversorgung hinaus etwas für die Bevölkerung getan wird. Ganz zweifellos stehen die von uns durchgeführten Operationen auf der Prioritätenliste der Länder, in denen wir intervenieren, nicht ganz oben auf der Prioritätenliste. Deshalb kümmern sich die Ärzte der Welt primär um die Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung, bevor weitergehende Maßnahmen angegriffen werden. Selbstverständlich wird die Opération Sourire nur in denjenigen Krankenhäusern durchgeführt, in denen alle Notfälle bereits angemessen behandelt werden können. Niemals würden wir zum Beispiel eine Gaumenspalte operieren, während ein Kind an einem Blinddarmdurchbruch stirbt! Langfristiges Ziel der Aktion ist, den örtlichen Är
zten wichtiges Know-how im Bereich der Chirurgie zu vermitteln. Die einheimischen Ärzte sollen bei den Operationen zusehen oder assistieren, damit sie diese Aufgaben später übernehmen weiterführen können. Damit leistet die Opération Sourire Hilfe zur Selbsthilfe ¿ wie alle anderen Aktionen von Ärzte der Welt auch. Damit fügt sich die Opération Sourire in die Philosophie von Ärzte der Welt ein: Pflege und Betreuung auch nach der Nothilfe, wir bleiben, wenn andere schon gehen. Ziele und Vorhaben der Opération Sourire In den zehn Jahren ihres Bestehens hat die Opération Sourire über 1.500 Patienten geholfen. Aufgrund der dabei gewonnenen Erfahrungen setzen wir uns drei große Ziele: ¿ Zuallererst wollen wir denjenigen ihr Gesicht zurückgeben, die es durch Krieg, Krankheit oder Mangelernährung verloren haben. Angeborene Fehlbildungen des Gesichts werden korrigiert. Durch ihre Behinderung ausgegrenzte Menschen erhalten so die Möglichkeit, ein normales Sozialleben zu führen. ¿ Das zweite Ziel besteht darin, die Nachbehandlung unserer Patienten sicherzustellen, durch engen Kontakt mit dem örtlichen medizinischen Personal und durch den Aufbau einer Datenbank. ¿ Drittens wollen wir örtliche Chirurgen, Ärzte und Krankenpfleger anlernen, die einfachsten Prozeduren der plastischen Chirurgie selbst durchzuführen. Um diese Ziele zu erreichen, konzentriert das Personal der Opération Sourire seine Arbeit auf zwei Schwerpunkte: Chirurgische Eingriffe Geplant sind zwei Missionen pro Einsatzort pro Jahr, wobei jedes Team aus zwei Chirurgen, einem Anästhesisten und einer Pflegerin besteht. Bevor diese Teams eintreffen, prüfen Kontaktpersonen vor Ort die Fälle, identifizieren die Pathologien, planen die Operationen und bereiten die Patienten auf sie vor. Von dieser Vorbereitung hängt sehr viel ab, weil nur sie die optimale Auslastung des Teams gewährleistet. Während der zwei Wochen auf Tour können die Teams auf diese Weise den Großteil ihrer Zeit mit Operationen verbringen. Bei jeder dieser zweiwöchigen Touren werden etwa 40 Patienten operiert. Anlernen örtlichen Personals An jedem Einsatzort soll über mehrere Jahre hinweg ein örtlicher Arzt angelernt werden, bis er die einfachen Eingriffe beherrscht, mit denen man ca. 70% aller Fälle behandeln kann. Unsere Teams müssen während ihrer Einsätze Chirurgen, Anästhesisten und OP-Personal ausbilden; vermittelt werden die Grundzüge der plastischen Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie das Know-how darüber, wie man einen Operationssaal führt (Keimfreiheit, Anordnung des Materials, Planung der Eingriffe). Mittelfristig soll solide ausgebildetes örtliches Personal die Operationen selbst durchführen können. So übernehmen mit der Zeit immer mehr einheimische Chirurgen, Anästhesisten und Pfleger diese wichtigen Aufgaben. Zwischen den zwei jährlichen Missionen wird der Kontakt mit den Partner-Krankenhäusern aufrecht erhalten, die in ihren Aufgaben angeleitet und unterstützt werden. In den meisten Fäll
en geschieht die Kommunikation über Fax und Datenaustausch per Computer. Einsatzorte In den zehn Jahren ihrer Existenz hat sich die Opération Sourire bemerkenswert entwickelt. Sie hat ihren Aktionsradius auf weitere asiatische und auf afrikanische Länder erweitert, wo die Konflikte der 80-er und 90-er Jahre, aber auch wirtschaftliche und soziale Krisen den Bedarf nach plastisch-rekonstruktiver Chirurgie enorm erhöht haben. Aktuell sind wir in neun Ländern aktiv: In Kambodscha, Benin, Niger, Ruanda, Mali, Togo, Tschad, Vietnam und Laos. Darüber hinaus planen wir, im Laufe des Jahres auch in der Mongolei aktiv zu werden.
|